Gerhard Richter AusstellungNeue Nationalgalerie

12. Februar - 13. Mai 2012

Gerhard Richter, der wohl bekannteste deutsche Künstler seiner Generation, feierte am 9. Februar 2012 seinen 80. Geburtstag. Das ist ein guter Anlaß, so findet die Nationalgalerie, gemeinsam mit der Tate Modern und dem Centre Pompidou eine umfassende Retrospektive seines Œuvres auszustellen.

Abstrakte Kunst zeichnet Gerhard Richter's Gemälde aus. Zu bestaunen sind hier etwa 140 Gemälde, darunter das Bild, der eine Treppe herabsteigenden Ema (1966) oder auch Gemälde wie Neger (Nuba) von 1964. Dies ermöglicht einen differenzierten Einblick in Richters vielseitiges Werk.

Im Obergeschoss der Neuen Nationalgalerie wird das für Richters Schaffen typische Zwiegespräch zwischen Abstraktion und Figuration vorgestellt. An dem Bild Tisch (1962) wird der Dialog angedeutet.

Das Bild als Fläche, als Fenster, als Durchblick und Blickfeld steht in Beziehung zu Richters Auseinandersetzung mit Spiegeln und Glasscheiben, in der seine Beschäftigung mit Möglichkeiten von Repräsentation seinen Höhepunkt findet.

Gerhard Richters Gemälde entstanden in den 70er Jahren.

Es handelt sich um teilweise sehr große Formate, vielschichtig angelegt, Farbstrukturen mit Pinseln, Rakeln und Spachteln aufgetragen, über nasse Farbschichten gezogen, vorhandene durch neue überlagert oder ganz ausgelöscht.

Die Bilder sind demnach von einer besonderen malerischen Dichte. Gerhard Richter sagt: „Willkür, Zufall, Einfall und Zerstörung lassen zwar einen bestimmten Bildtypus entstehen aber nie ein vorherbestimmtes Bild“. Diese Gemälde seien Ergebnis einer „sehr geplanten Spontanität“. „Die Schaffung einer Analogie zum Unanschaulichen und Unverständlichen, das auf diese Weise Gestalt annehmen und verfügbar werden soll“, steht für Gerhard Richter im Mittelpunkt der Malerei.

Effekte des Verwischens und Verschleierns waren Gerhard Richter von Beginn an wichtig und deshalb ließ er seine Gemälde gern unscharf erscheinen.

Die Werke sind überwiegend Ergebnisse eines komplexen Entstehungsprozesses. Die Grenzen zwischen Malerei und Photographie verschwimmen. Der Bezug der Bilder zu den Motiven, die sie abbilden und ihr Verhältnis zum Betrachter wirkt unsicher. Gemäß Richter ist diese Verunsicherung eine Befreiung für den Künstler selbst. Aus ihren individuellen Herangehensweisen entsteht eine sehr vielfältige und faszinierende Bilderwelt der Unschärfe, irritierend und verführerisch zugleich.

In der Berliner Ausstellung findet ein regelrechter Austausch zwischen Richters Glasarbeiten und die in täuschendem Illusionismus gemalten Wolken-, Fenster- und Vorhangbilder und der Architektur Mies van der Rohes statt. Der Rahmen der Ausstellung bildet die Version I der Arbeit 4900 Farben, die der Künstler hier über 200 Meter erstmals verwirklicht.

Unterstützt wird die Ausstellung durch den Verein der Freunde der Nationalgalerie.

Zur Ausstellung erscheint eine umfangreiche Publikation.